Ärzteinitiative Krefeld: Warnmeldung Feinstaub Krefelder Hafen


Die Feinstaubkonzentration im Hafen Krefeld hat heute zum 7. Mal in diesem Jahr den Grenzwert-Wert von 50µg/m3 überschritten, der nach BundesimmissionsschutzVerordnung (BimSchV) im Jahr  nur 7 Mal überschritten werden darf.

2008 war dieser Wert 68mal überschritten worden, 2009 betrug die Anzahl der Überschreitungstage 54. Sollte die Tendenz des Jahres 2010 anhalten, wird die Anzahl der Überschreitungstage/Jahr weiter und vermutlich deutlich steigen. Damit wird der Krefelder Hafen seine Position als am meisten belastete Stelle in NRW weiter ausbauen.


Die gesundheitlichen Folgen sind gravierend:

Epidemiologische Studien haben für eine Erhöhung der PM10-Konzentration in der Außenluft um 10 µg/m³ mit stark signifikantem Ergebnis ergeben, dass die Morbidität – gemessen an der Anzahl der Krankenhauseinweisungen infolge von Atemwegserkrankungen – um 0,5 bis 5,7% steigt, und die Mortalität (das Sterberisiko) um 0,2 bis 1,6% steigt.

Die 2001-2004 durchgeführte Feinstaub-Kohortenstudie NRW untersuchte 4800 Frauen über 60 Jahre und ergab nach vorläufiger Auswertung sogar eine um etwa 9% höhere Mortalität pro 10 µg/m³ Feinstaub.

Wegen des direkten linearen Zusammenhangs gibt es keine unschädliche Feinstaubkonzentration. Für die Bevölkerung der europäischen Union ergibt dies im Durchschnitt eine um mindestens ein Jahr reduzierte Lebenserwartung durch die Gesamtfeinstaubbelastung.


Die Krefelder Ärzte erneuern hiermit Ihre schon Anfang Januar 2010 ausgesprochene Warnung vor der Folgen einer zu hohen Umweltbelastung.

Eine Reduktion der bereits vorhandenen Luftbelastungen sollte oberstes politisches Ziel sein. In diesem Zusammenhang ist jede vermeidbare Mehrbelastung der Bevölkerung nicht verantwortbar.

Dr. med. Georg Gallenkemper

Mitglied der Ärzte und Apothekerinitiative gegen das Kohlekraftwerk in Krefeld Uerdingen


Aktuelle Messdaten des Landesumweltamtes NRW

Rechtsgrundlage:

In Europa wurden mit der Richtlinie 1999/30/EG des Rates vom 22. April 1999 über Grenzwerte für Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Stickstoffoxide, Partikel und Blei in der Luft (in deutsches Recht umgesetzt mit der Verordnung über Immissionswerte für Schadstoffe in der Luft – 22. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) vom 11. September 2002) Grenzwerte für Feinstaub festgelegt. In der Richtlinie wurde folgende Grenzwertregelung getroffen:

1. Seit dem 1. Januar 2005 einzuhaltende Tagesmittelwert für PM10 beträgt 50 µg/m³ bei 35 zugelassenen Überschreitungen im Kalenderjahr. (In Österreich sind von 1. Januar 2005 bis 31. Dezember 2009 nur 30 Überschreitungen/Jahr erlaubt)

2. Seit dem Jahr 2005 beträgt der Jahresmittelwert für PM10 40 µg/m³.

3. Ab dem 1. Januar 2010 darf der einzuhaltende Tagesmittelwert für PM10 weiterhin 50 µg/m³ betragen bei jedoch nur noch 7 zugelassenen Überschreitungen im Kalenderjahr.

Ab dem Jahr 2010 darf der Jahresmittelwert für PM10 jedoch nur noch 20 µg/m³ betragen.

Wissenschaftliche Grundlage

Herz-Kreislauftod schon durch geringe Fein­partikelmengen

Das Risiko eines Herz-Kreislauftodes durch Passivrauchen hatte sich im Vergleich zum Risiko durch aktives Rauchen in den bisherigen Untersuchungen als ungewöhnlich hoch gezeigt. Obwohl Passivraucher durchschnittlich nicht mehrals ein Hundertstel der Schadstoffmengen inhalieren, die ein aktiver Raucher aufnimmt, reicht ihr Risiko für den Herztod an 30 % des Risikos der Raucher heran. Dies hat immer wieder Zweifel an der beobachteten überproportionalen Wirksamkeit des Passivrauchens auf das Herz-Kreislauf­system geweckt. Ein Team amerikanischer Epidemiologen mit Hauptsitz an der Brigham Young Universität im US­Bundesstaat Utah hat nun Klarheit geschaffen. Sie unter­suchten den Zusammenhang zwischen der Belastung durch Feinpartikel in verschmutzter Luft bzw. im Zigarettenrauch mit der Häufigkeit tödlicher Herz-Kreislaufkrankheiten in einer Kohorte von mehr als einer Million Erwachsener. Die Untersuchung ergab, dass schon sehr kleine Belastungen mit Feinpartikeln genügen, um das Risiko für die Sterblichkeit durch Herz-Kreislaufversagen zu erhöhen. Wie vermutet, stieg die Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen den durch­schnittlich täglich aufgenommenen Feinpartikelmengen und fatalen Herz-Kreislauferkrankungen bei niedriger Belastung steil an und flachte bei höherer Belastung ab. Dies steht im Gegensatz zu der linearen Dosis-Wirkungsbeziehung, die für die krebserregende Wirkung des Tabakrauchs festgestellt wurde.

[Pope CA 3rd, Burnett RT, Krewski D, Jerrett M, Shi Y, Calle EE, Thun MJ: Cardiovascular Mortality and Exposure to Airborne Fine Particulate Matter and Cigarette Smoke. Shape of the Exposure-Response Relationship. Circulation. 2009 Aug 31. (Epub ahead of print)]





26.01.2010: geschrieben von admin - abgelegt unter (Aktuelles)
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